In den letzten Monaten beobachten wir eine Tendenz in den (sozialen) Medien, bestimmte Vorfälle, wie zum Beispiel die tragischen Ereignisse in Aschaffenburg, intensiv zu beleuchten. Solche Berichterstattung wird oft genutzt, um politische Agenden zu legitimieren. Im Gegensatz dazu bleiben andere erschreckende Realitäten, wie die Tatsache, dass in Deutschland jeden zweiten Tag eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner ermordet wird, in den (sozialen) Medien oft unbeachtet.
Ohne die aktuellen tragischen und furchtbaren Ereignisse zu relativieren, frage ich mich, ob und wie sich unsere Gesellschaft verändern würde, wenn jeden zweiten Tag ein Foto einer teilweise bestialisch getöteten Frau durch die (sozialen) Medien verbreitet würde und so diese, fast schon normal anmutende, Realität stärker in das Bewusstsein rücken könnte.
Wäre etwas anders? Würden wir Männer abschieben? Würden wir differenziert auf die einzelnen Fälle schauen oder hätten wir für jeden sofort eine allgemeingültige Erklärung parat? Würden wir nach Lösungen suchen oder würden wir polemisieren? Würden wir Schubladen auf – und zuschieben oder würden wir genauer hinschauen und hinterfragen? Würden wir endlich wahrnehmen, dass wir ein ziemlich großes Problem haben, direkt in der Mitte unserer Gesellschaft? Wären alle Männer auf einmal das/ein Problem? Eines, das nichts mit Migrationshintergrund oder „sozialen Schichten“ zu tun hat.
Es ist wichtig, zu hinterfragen, warum Phänomene wie Femizide nicht die gleiche mediale Aufmerksamkeit erhalten. Nur durch diese Reflexion und das Hinterfragen von Prioritäten in der Berichterstattung können wir eine umfassendere und gerechtere und differenzierte gesellschaftliche Debatte führen.
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