Kennen Sie Thomas?

Er ist Mitte fünfzig, kommt aus Freiburg, hat BWL oder Ingenieurwesen studiert und sitzt in der Chefetage eines großen Automobilherstellers. Sein Führungsteam? Ein halbes Dutzend Kollegen, alle ähnlich gestrickt: männlich, Westdeutschland, 60er-Jahre-Jahrgang. Namen wie Stefan, Andreas, Michael und natürlich Thomas. Kein seltenes Phänomen in deutschen Vorstandsetagen.

Dieses Phänomen hat einen Namen: der Thomas-Kreislauf.

Er beschreibt, wie Chefs unbewusst ihr eigenes Spiegelbild einstellen. Thomas fördert Thomas und schafft so eine Reproduktion immer gleicher Führungsriegen.

Die psychologische Grundlage ist interessant aber leider ziemlich simpel: Menschen halten diejenigen für kompetent, die ihnen selbst ähneln. Sie trauen ihnen eher Führungsstärke zu, vertrauen ihnen mehr, fördern sie bereitwilliger – weil halt das Bekannte bekannt ist und wenig „Überraschung“ bietet. Was wie eine rationale Entscheidung aussieht, ist ein unbewusster Mechanismus. Emotional fühlt sich diese Situation verlässlicher, stabiler an.

Schwierig daran ist? Die „Gläserne Decke“ ist damit zementiert.

In deutschen Vorständen gibt es mehr Thomasse und Michaels als Frauen insgesamt (das ist kein Witz). In 110 von 160 börsennotierten Unternehmen sitzt keine einzige Frau in der Chefetage. Nicht, weil es keine kompetenten Frauen gäbe, sondern weil der Thomas-Kreislauf ihre Chancen systematisch minimiert.

Interessant ist auch: Frauen neigen viel weniger dazu, sich mit Spiegelbildern zu umgeben. Sie schätzen Diversität und andere Perspektiven, weil sie wissen, dass unterschiedliche Kompetenzen Innovation schaffen.

Und genau das ist der Punkt: